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Rudolf Hess: 46 Jahre Gefangenschaft und ungeklärter Tod

Maximilian Niklas Schulz • 2026-06-16 • Gepruft von Hannah Fischer

Ein Mann fliegt 1941 allein nach Schottland, wird gefangen genommen, vor Gericht gestellt und verbringt fast ein halbes Jahrhundert in Haft – bis zu seinem Tod unter bis heute nicht vollständig geklärten Umständen. Rudolf Heß war Hitlers Stellvertreter, doch sein Schicksal nach dem Krieg wirft mehr Fragen auf, als die offiziellen Akten beantworten.

Geboren: 26. April 1894 in Alexandria, Ägypten ·
Gestorben: 17. August 1987 in West-Berlin ·
Gefangenschaftsdauer: 46 Jahre (1941–1987) ·
Rolle: Stellvertreter des Führers (NSDAP)

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Das genaue Motiv des Fluges (Friedensmission oder Eigeninitiative?) (WDR Stichtag)
  • Der exakte Tathergang am 17. August 1987 – Fremdeinwirkung nie völlig ausgeschlossen (WDR Stichtag)
  • Warum britische Akten bis heute unter Verschluss sind (WDR Stichtag)
3Zeitleisten-Signal
4Wie es weitergeht
  • Britische Regierung hält Akten versiegelt – keine Freigabe absehbar (WDR Stichtag)
  • Historiker fordern Transparenz für vollständige Aufklärung (WDR Stichtag)

Sechs verurteilte NS-Größen, eine lebenslange Strafe: Rudolf Heß war der einzige, der bis zu seinem Tod hinter Gittern blieb – und dessen Akte bis heute nicht vollständig geöffnet ist.

Merkmal Wert
Vollständiger Name Rudolf Walter Richard Heß
Haftende 17. August 1987
Verurteilt 1. Oktober 1946 in Nürnberg
Letzte Ruhestätte Grab auf See (Asche verstreut)

Wie lange war Rudolf Heß in Gefangenschaft?

Der Kern

Die Isolation von Rudolf Heß war beispiellos: 46 Jahre Haft, davon 21 Jahre allein, bewacht von 120 Soldaten – ein Aufwand, der die symbolische Bedeutung des Gefangenen widerspiegelt.

Nach seiner Landung in Schottland am 10. Mai 1941 wurde Heß sofort interniert und erst 1945 nach Großbritannien überstellt. Die vier Siegermächte verurteilten ihn am 1. Oktober 1946 im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess zu lebenslanger Haft (WDR Stichtag (Nachrichtenredaktion)). Gemeinsam mit sechs weiteren Verurteilten wurde er am 18. Juli 1947 in das Kriegsverbrechergefängnis Spandau im heutigen Berliner Bezirk Spandau gebracht (Wikipedia – Kriegsverbrechergefängnis Spandau).

Haftdauer und Haftorte

  • 1941–1945: Internierung in Großbritannien
  • 1945–1947: Gefangenschaft in Nürnberg
  • 1947–1987: Spandauer Gefängnis (Berlin)

Nach der Entlassung von Albert Speer und Baldur von Schirach 1966 blieb Heß mehr als 20 Jahre lang alleiniger Häftling (Wikipedia – Kriegsverbrechergefängnis Spandau). Ab Oktober 1966 war er laut WDR der letzte und einzige Gefangene in Spandau. Besuch von seiner Frau und seinem Sohn Wolf Rüdiger erhielt er erstmals 1969.

Fazit: Heß war fast fünf Jahrzehnte inhaftiert, davon über 20 Jahre isoliert. Die Alliierten hielten an seiner Einzelhaft fest, um eine Symbolfigur für Neonazis zu verhindern.

Was ist aus der Frau von Rudolf Hess geworden?

Ilse Heß, geborene Pröhl, heiratete Rudolf Heß 1927. Sie teilte die nationalsozialistische Weltanschauung ihres Mannes und setzte sich nach 1945 unermüdlich für seine Freilassung ein. Anders als viele andere NS-Frauen trat sie öffentlich auf und sammelte Unterstützer.

Ilse Heß: Leben nach dem Krieg

  • Ilse Heß überlebte ihren Mann um acht Jahre
  • Sie engagierte sich in der rechtsextremen „Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit“ (HIAG)
  • Sie starb 1995 im Alter von 95 Jahren

Ilse Hess veröffentlichte nach dem Krieg Briefe und Erinnerungen, in denen sie die Alleinschuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg bestritt. Ihr Wirken trug dazu bei, dass Rudolf Heß in revisionistischen Kreisen bis heute als „Friedensflieger“ verklärt wird – eine Deutung, die die historische Forschung eindeutig widerlegt.

Fazit: Ilse Hess blieb ihrem Mann ideologisch treu und prägte das Bild des „Märtyrers“ mit. Ihre politische Aktivität nach 1945 ist ein Kapitel der Nachkriegsgeschichte, das oft übersehen wird.

War Rudolf Hess verrückt?

Die Paradoxie

Die widersprüchlichen Einschätzungen seines Geisteszustands offenbaren ein justizielles Paradox: Heß galt als verhandlungsfähig, wurde aber lebenslang verurteilt – ohne endgültige Klärung seiner psychischen Verfassung.

Während des Nürnberger Prozesses sorgte Heß’ Verhalten für Irritation: Er gab vor, sein Gedächtnis verloren zu haben, starrte stundenlang ins Leere und sprach nur selten. Mehrere psychiatrische Gutachten kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Psychiatrische Gutachten im Prozess

  • Ärzte attestierten Heß teilweisen Gedächtnisverlust (Wikipedia – Rudolf Heß)
  • Er wurde dennoch für verhandlungsfähig erklärt
  • Eine einheitliche Diagnose gab es nie

Spekulationen über eine echte psychische Erkrankung – etwa eine paranoide Schizophrenie – halten sich bis heute. Die Forschung neigt jedoch zur Ansicht, dass Heß’ Verhalten teils Simulation, teils die Folge jahrelanger Isolation und eines realen Gedächtnisverlustes war. Sicherheit wird sich ohne die noch versiegelten britischen Gefängnisakten kaum gewinnen lassen.

Fazit: Heß’ Geisteszustand bleibt ein Puzzlespiel. Gutachter der Nürnberger Prozesse kamen zu keinem Konsens – und ohne vollständige Aktenfreigabe bleiben viele Fragezeichen.

Zeitleiste der Gefangenschaft

Sechs Daten, die die Haftchronologie Rudolf Heß’ von seiner Verurteilung bis zum Abriss des Spandauer Gefängnisses abbilden:

Datum/Zeitraum Ereignis
26. April 1894 Geburt in Alexandria
1920 Eintritt in die NSDAP
1933–1941 Stellvertreter des Führers
10. Mai 1941 Flug nach Schottland
1. Oktober 1946 Verurteilung zu lebenslanger Haft
17. August 1987 Tod in Spandau

Das Muster ist eindeutig: Je länger Heß einsaß, desto mehr wurde er zur Symbolfigur – und desto größer die Bemühungen der Alliierten, jede mythenbildende Wallfahrt zu verhindern.

Bestätigte Fakten

  • Heß flog allein nach Großbritannien (Wikipedia – Rudolf Heß)
  • Er wurde 1946 verurteilt (WDR Stichtag)
  • Offizielle Todesursache: Suizid durch Erhängen (Wikipedia – Rudolf Heß)
  • Gefängnis 1987 abgerissen (Bezirksamt Spandau)

Was unklar bleibt

  • Motiv des Fluges (echte Friedensmission oder Eigeninitiative?)
  • Genauer Hergang des Todes – Fremdeinwirkung nicht ausgeschlossen
  • Warum britische Akten bis heute unter Verschluss (WDR Stichtag)
  • Wahre Natur seines Gedächtnisverlusts

„Ich bereue nichts.“

– Rudolf Heß vor dem Internationalen Militärgerichtshof, Nürnberg 1946 (zit. nach Wikipedia – Rudolf Heß)

„Er war kein Verrückter. Er wusste genau, was er tat.“

– Ilse Heß in einem Interview, 1970er Jahre (Quelle: Archivbericht)

Für Historiker bleibt die Frage nach dem wahren Motiv des Fluges von 1941 offen. Die versiegelten britischen Akten könnten eines Tages Licht ins Dunkel bringen – oder auch nicht. Für die deutsche Erinnerungskultur ist Rudolf Heß ein warnendes Beispiel: Die Inszenierung eines Verurteilten zum Märtyrer beginnt dort, wo Fakten und Akten nicht vollständig offengelegt werden.

Ein detaillierter Bericht über Rudolf Heß einsame Gefangenschaft beleuchtet die Jahre in Spandau und die ungeklärten Umstände seines Todes.

Häufig gestellte Fragen

Wie starb Rudolf Hess?

Die offizielle Version: Suizid durch Erhängen mit einem Elektrokabel im Gartenhäuschen des Spandauer Gefängnisses am 17. August 1987. Fremdeinwirkung wird von einigen Historikern nicht ausgeschlossen.

War Rudolf Hess verheiratet?

Ja, ab 1927 mit Ilse Heß (geb. Pröhl). Sie hatten einen Sohn, Wolf Rüdiger Heß (1937–2001).

Welche Rolle spielte Hess in der NSDAP?

Er war ab 1933 Stellvertreter des Führers und damit nach Hitler die zweite Person in der Parteihierarchie.

An welcher Krankheit litt Rudolf Hess?

Während der Nürnberger Prozesse wurde zeitweise Gedächtnisverlust diagnostiziert; eine einheitliche psychiatrische Diagnose wurde nie gestellt.

Wie alt wurde Rudolf Hess?

93 Jahre (geboren 26. April 1894, gestorben 17. August 1987).

Wo ist Rudolf Hess begraben?

Seine Asche wurde auf Anordnung der Alliierten auf See verstreut, um eine Grabstätte als Neonazi-Wallfahrtsort zu verhindern.

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Die Berichterstattung wird fortlaufend mit transparenter Quellenprüfung aktualisiert.