Wer sich schon einmal gefragt hat, woher die stabilen Borsten einer Industriebürste oder die feinen Fäden in medizinischen Textilien stammen, stößt früher oder später auf Perlon. Der Kunststoff mit nahezu 90 Jahren Geschichte steckt derzeit mitten in einem Sanierungsverfahren – die Perlon‑Gruppe kämpft um ihre Zukunft, mit sieben deutschen Gesellschaften und rund 490 betroffenen Mitarbeitenden.

Marke seit: 1938 ·
Standorte in Deutschland: 4 ·
Gesellschaften in Sanierung: 7 ·
Gruppenname: Perlon® Group

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Ob alle deutschen Standorte nach der Sanierung erhalten bleiben
  • Ob die Marke Perlon eigenständig weitergeführt wird
3Zeitleisten-Signal
4Wie es weitergeht

Vier zentrale Kennzahlen liefern einen schnellen Rahmen, um die Dimension der Perlon‑Gruppe zu verstehen.

Merkmal Wert
Gründungsjahr (Erfindung) 1938
Hauptsitz Bobingen (Bayern)
Gruppenstruktur Perlon Nextrusion Monofil GmbH, Hahl Filaments GmbH, Pedex GmbH
Eigentümer Serafin Unternehmensgruppe (seit 2010)
Mitarbeitende (weltweit) ca. 850
Jahresumsatz ca. 150 Mio. €
Produktionsstätten 5 Länder

Was stellt Perlon her?

Produkte der Perlon-Gruppe

  • Monofilamente (Einzelfäden) aus Polyamid für technische Textilien, Bürsten und Medizintechnik (Wikipedia (Techniklexikon))
  • Der Geschäftszweig der Perlon‑Nextrusion Monofil GmbH umfasst Herstellung, An‑ und Verkauf sowie Im‑ und Export synthetischer Fasern und Folien (Insolvenz‑Radar (Registerdaten))

Branchen und Anwendungen

Die Fäden der Perlon‑Gruppe finden sich in Industriewaren, in der Medizintechnik (z. B. Nahmaterial) und in Konsumgütern wie Kosmetikpinseln oder Zahnbürsten.

Fazit: Perlon ist kein Allerweltskunststoff, sondern ein spezialisierter High‑Tech‑Faserlieferant für Nischenmärkte. Für Einkäufer technischer Textilien: Die Qualität bleibt auch während der Sanierung konstant.

Die Spezialisierung auf technische Textilien bleibt ein entscheidender Wettbewerbsvorteil in der Sanierung.

Woraus besteht Perlon?

Chemische Zusammensetzung von Perlon

Perlon gehört zur Familie der Polyamide (PA) und basiert auf ε‑Caprolactam. Chemisch verwandt mit Nylon, unterscheidet es sich durch die Herstellungsroute – Perlon ist ein Polyamid 6, während Nylon meist PA 6.6 ist (Wikipedia (Chemielexikon)).

Eigenschaften des Kunststoffs

Warum das wichtig ist

Die Kombination aus hoher Festigkeit, Elastizität und Abriebfestigkeit macht Perlon zu einem bevorzugten Material für Präzisionsanwendungen. Für Hersteller medizinischer Produkte bedeutet das: Perlon‑Fäden halten hohen Belastungen stand, ohne zu reißen.

Das Material ist wasserabweisend, beständig gegen viele Chemikalien und nimmt kaum Feuchtigkeit auf – Eigenschaften, die es für Filamente in Nassbereichen ideal machen.

Die Materialeigenschaften machen Perlon für zahlreiche Industrieanwendungen unverzichtbar – ein Plus für die Sanierung.

Wo wurde Perlon erfunden?

Erfindungsgeschichte 1938

Der deutsche Chemiker Paul Schlack entwickelte Perlon 1938 im IG‑Farben‑Werk in Berlin‑Lichtenberg. Es war das erste vollsynthetische Polyamid auf Caprolactam‑Basis und kam kurz nach Nylon auf den Markt (Wikipedia (Biografie)).

Entwicklung in Deutschland

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion in Westdeutschland ausgebaut, insbesondere am Standort Bobingen. Perlon wurde zum Synonym für Kunstfasern im deutschen Wirtschaftswunder.

Der Haken

Die glorreiche Vergangenheit hilft in der akuten Krise wenig: Der Markt für Monofilamente ist global umkämpft, und die Produktion in Deutschland ist kostenintensiv. Der Aufwand für die Sanierung ist hoch.

Die historische Bedeutung allein sichert keinen Markterfolg – die Sanierung muss neue Wettbewerbsvorteile schaffen.

Welche Sanierungsverfahren hat die Perlon-Gruppe eingeleitet?

Insolvenz in Eigenverwaltung

Im Juli 2025 stellten sieben deutsche Tochtergesellschaften der Perlon‑Gruppe Anträge auf ein gerichtliches Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung. Das Amtsgericht Augsburg bestellte Dr. Max Liebig zum vorläufigen Sachwalter (plasticker (Fachportal Kunststoff)). Die Geschäftsführungen bleiben handlungsfähig und führen das operative Geschäft fort (Unternehmeredition (Wirtschaftsmagazin)).

Standorte und Gesellschaften

  • Betroffene Standorte: Bobingen, Munderkingen, Dormagen und Wald‑Michelbach
  • Gesellschaften: u. a. Perlon Nextrusion Monofil GmbH, Hahl Filaments GmbH, Pedex GmbH
  • Etwa 490 Mitarbeitende in Deutschland sind betroffen (plasticker (Fachportal Kunststoff))

Zukunft der Perlon-Gruppe

Die internationalen Standorte (u. a. in Polen und den USA) sind nicht in das Verfahren einbezogen und operieren eigenständig. Das Ziel der Sanierung ist der Erhalt der wettbewerbsfähigen Einheiten der Gruppe.

Das Verfahren in Eigenverwaltung bietet die Chance auf eine geordnete Restrukturierung – ob sie gelingt, hängt von der Marktnachfrage und den Kosten ab.

Wem gehört Perlon?

Eigentümer: Serafin Unternehmensgruppe

Seit 2010 hält die Münchner Beteiligungsgesellschaft Serafin die Mehrheit an der Perlon‑Gruppe. Serafin erwarb den Geschäftsbereich damals von LANXESS (plasticker (Fachportal Kunststoff)). Die Gruppe firmiert als Perlon® Group und vereint Marken wie Perlon, Hahl‑Pedex und Pedex.

Markenrechte und Struktur

Die Dachgesellschaft Perlon Nextrusion Monofil GmbH mit Sitz in Bobingen hält die Markenrechte. Die Gruppe beschäftigt weltweit rund 850 Mitarbeitende und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von etwa 150 Millionen Euro (plasticker (Fachportal Kunststoff)).

Der Eigentümer Serafin steht vor der Entscheidung, ob langfristig in die deutschen Standorte investiert wird – eine Schlüsselfrage der Sanierung.

Zeitleiste der Perlon-Gruppe

Fünf entscheidende Daten zeigen den Weg vom Forschungslabor bis in die Krise.

  • 1938 – Erfindung von Perlon durch Paul Schlack bei IG Farben (Wikipedia (Lexikon))
  • 2010 – Übernahme durch die Serafin Unternehmensgruppe (plasticker (Fachportal Kunststoff))
  • Juli 2025 – Insolvenzanträge für sieben deutsche Gesellschaften (KunststoffWeb (Fachmedium))
  • Oktober 2025 – Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung (Quelle: Gerichtliche Bekanntmachung)

Die Zeitleiste zeigt: Die Krise kam nicht überraschend – die Weichen wurden bereits mit der Eigentümerstruktur und den globalen Marktveränderungen gestellt.

Was wir wissen – und was nicht

Bestätigte Fakten

  • Perlon ist ein Polyamid-Kunststoff, erfunden 1938 in Deutschland (Wikipedia (Lexikon)).
  • Die Perlon-Gruppe umfasst mehrere deutsche Gesellschaften (Unternehmeredition (Wirtschaftsmagazin)).
  • Im Juli 2025 wurde ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet (KunststoffWeb (Fachmedium)).
  • Der operative Geschäftsbetrieb läuft weiter (Unternehmeredition (Wirtschaftsmagazin)).
  • Ausländische Standorte sind nicht betroffen (plasticker (Fachportal Kunststoff)).

Was unklar ist

  • Die genaue Zukunft der einzelnen Standorte nach der Sanierung.
  • Ob die Marke Perlon nach der Sanierung eigenständig bleibt.

Die Sicherheit der bestätigten Fakten steht im Kontrast zu den ungeklärten Perspektiven – die nächsten Monate werden zeigen, ob die Sanierung die Struktur nachhaltig verändert.

Stimmen zur Lage

„Der operative Betrieb der Perlon‑Gruppe läuft uneingeschränkt weiter – wir beliefern unsere Kunden wie gewohnt.“

– Unternehmenssprecher der Perlon‑Gruppe, zitiert in der Unternehmeredition (Wirtschaftsmagazin)

„Das Ziel der Eigenverwaltung ist die nachhaltige Sanierung des Unternehmens und der Erhalt der Arbeitsplätze.“

– Dr. Max Liebig, vorläufiger Sachwalter, gegenüber plasticker (Fachportal Kunststoff)

Die Aussagen von Unternehmenssprecher und Sachwalter betonen die operative Stabilität, lassen aber offen, wie tief die Einschnitte letztlich sein werden.

Fazit: Was die Sanierung für die Beteiligten bedeutet

Die Perlon‑Gruppe steht an einem Scheideweg. Gelingt die Sanierung, können die deutschen Standorte als spezialisierte Fertigungsstätten erhalten bleiben – ein Gewinn für die Regionen und die Industriekunden. Für die rund 490 Mitarbeitenden in Deutschland ist die Lage jedoch angespannt: Sie brauchen einen erfolgreichen Abschluss des Verfahrens, um ihre Arbeitsplätze zu sichern. Für die Serafin‑Gruppe als Eigentümerin geht es um den Wert der Marke und die Frage, ob sich eine Produktion unter deutschen Kostenstrukturen noch rentabel führen lässt.

Häufig gestellte Fragen

Was genau ist ein Monofilament?

Ein Monofilament ist ein einzelner, endloser Faden aus Kunststoff – im Gegensatz zu Multifilamenten, die aus vielen dünnen Einzelfäden bestehen. Perlon stellt solche Einzelfäden in verschiedenen Stärken her.

Ist Perlon das gleiche wie Nylon?

Nein, aber chemisch verwandt. Perlon ist ein Polyamid 6, Nylon meist ein Polyamid 6.6. Beide sind synthetische Kunstfasern mit ähnlichen Eigenschaften (Wikipedia (Chemielexikon)).

Wie pflege ich ein Perlon-Armband?

Perlon‑Armbänder sind wasser‑ und schmutzabweisend. Sie können mit lauwarmem Wasser und milder Seife gereinigt werden. Nicht in der Waschmaschine waschen.

Welche Produkte stellt die Perlon Nextrusion Monofil GmbH her?

Die Gesellschaft produziert Monofilamente aus Polyamid für technische Textilien, Bürsten und medizinische Anwendungen (Insolvenz‑Radar (Registerdaten)).

Was bedeutet die Insolvenz für Mitarbeiter der Perlon-Gruppe?

Die Gehälter sind vorerst durch Insolvenzgeld gesichert. Das Verfahren in Eigenverwaltung zielt auf die Fortführung des Betriebs ab, sodass die Arbeitsplätze möglichst erhalten bleiben.

Wer ist der vorläufige Sachwalter?

Dr. Max Liebig wurde vom Amtsgericht Augsburg bestellt (plasticker (Fachportal Kunststoff)).

Die FAQ greift die häufigsten Fragen auf – die Antworten basieren auf den verifizierten Quellen und sollen Orientierung in der aktuellen Situation bieten.